Urlaub mit Fibromyalgie – geht das überhaupt?
Viele Betroffene fragen sich, ob Urlaub mit Fibromyalgie und chronischen Schmerzen überhaupt zusammenpassen. Lange Autofahrten, ungewohnte Betten, neue Umgebungen und wechselnde Temperaturen können schnell zur Belastung werden. Gleichzeitig sehnen wir uns nach Freiheit, Entspannung und neuen Eindrücken.
Der folgende Gastbeitrag von Ingo, zeigt einen besonderen Blickwinkel: Er war früher Leistungssportler und bringt daher ein anderes Leistungsniveau mit als viele andere Betroffene. Für manche ist ein Urlaub in dieser Form nicht realisierbar – sei es durch starke Beschwerden, fehlende Energie oder finanzielle Grenzen.
Trotzdem ist Ingos Geschichte wertvoll, denn sie öffnet eine neue Perspektive und macht Mut: Auch mit Fibromyalgie kann man Wege finden, Freiheit zu erleben – auf ganz individuelle Art.
Spannend ist auch, dass aktuelle Studien zeigen: Fibromyalgie äußert sich bei Männern teilweise anders als bei Frauen. Männer berichten oft über andere Schmerzschwerpunkte und Strategien im Umgang mit Belastung. Ingos Bericht liefert also nicht nur eine persönliche, sondern auch eine seltene männliche Perspektive auf das Leben mit Fibromyalgie.
Vielleicht kennst du Ingo schon aus meinem YouTube-Interview: Fibromyalgie: Vom Sportler zum Schmerzpatient | Ingos Geschichte. Dort erzählt er ausführlich, wie seine Diagnose sein Leben verändert hat.
Nach diesen allgemeinen Gedanken möchte ich dir jetzt Ingos ganz persönliche Geschichte vorstellen. Er zeigt in seinem Erfahrungsbericht, wie er trotz Fibromyalgie mit Mini-Camper und Fahrrad unterwegs war und welche Erfahrungen er dabei gemacht hat. Sein Erlebnis macht deutlich, wie unterschiedlich ein Urlaub mit Fibromyalgie aussehen kann – und dass jeder seine eigenen Wege finden darf.
Mein Erfahrungsbericht "Urlaub mit Fibromyalgie"
Text: Ingo, 59 J., Baden-Württemberg
Start in die Freiheit - unterwegs mit dem Mini-Camper
Urlaubszeit!
Soll ich wieder mit meinem Mini Camper losdüsen und mein Fahrrad als Fortbewegungsmittel vor Ort nutzen? Na klar! Meine Fibro macht mir zwar schon wieder zu schaffen, aber ich bin mutig und voller Vorfreude! Letztes Jahr hatte ich es auch schon, und die Jahre davor auch. Trotzdem: Ich lasse mich nicht unterkriegen. Wie immer buche ich nichts. Ich fahre einfach los und schaue, was passiert. Das ist meine kleine Freiheit im Urlaub mit Fibromyalgie!
Ankommen an der Mosel & im Urlaub mit Fibromyalgie
Einkaufen und Packen geht schnell, na ja, schnell… fibroschnell halt. Aber es geht trotzdem!
Ich bin nicht so wagemutig, dass ich gleich einen völlig neuen Campingplatz ausprobiere. Stattdessen fahre ich zu meinem Lieblingsplatz an der Mosel in Frankreich. Der ist nicht so weit weg, wunderschön gelegen und ich kenne ihn schon. Vertrautheit tut gut, besonders wenn man auf sich selbst achten muss.
Mit Fibromyalgie kann ich mich nur für etwa zwei Stunden beim Autofahren konzentrieren, danach wird’s zäh. Aber an der Mosel ist man schnell, und die Flussradwege dort sind angenehm eben. An der Rezeption sage ich fröhlich, dass ich eine Woche bleibe – und der Besitzer freut sich, mich wiederzusehen. Der Platz ist einfach perfekt für mich.
Bewegung und Freude: Radfahren & Schwimmen
Ich habe schon ein paar kurze Radtouren gemacht und sogar in der jungen Mosel geschwommen. Ja, das geht auch mit Fibro! Bewegung ist ein Schlüssel. Ich muss mich bewegen – rumsitzen kann und will ich nicht. Mein Körper verlangt nach Rhythmus. Und mein Herz verlangt nach Freiheit.
Weiter zur Saône - Natur & Fotografie
Nach einer Woche geht’s weiter, zur Saône. Der Campingplatz Municipale liegt direkt am Fluss. Auch hier dasselbe Programm: Rad fahren, ausruhen, schwimmen, Fotos machen, Sonne tanken. Im Urlaub mit Fibromyalgie lebe ich in meinem ganz eigenen Tempo. Und es fühlt sich richtig gut an.
Meine zweite Leidenschaft, Fotografieren, bringt mir Ablenkung, neue Perspektiven, kleine Glücksmomente. Ob an der Mosel, an der Saône oder im ländlichen Frankreich – ich halte fest, was mein Herz berührt: Felder, Sonnenblumen, alte Innenstädte, bunte Märkte. Mein Blick sucht das Schöne – und findet es.
Kleine Helfer unterwegs: Vitamin D, Magnesium & Wärme
Die tägliche Wärme tut mir gut, genau wie meine Vitamin-D-Kur. Und das Magnesium nicht vergessen – danke Carola! Es ist mein ganz eigenes kleines Therapiepaket auf Rädern im Urlaub mit Fibromyalgie.
Neue Wege im Jura – Herausforderung & Stolz
Nach einer Woche Abschied von der Saône. Ich finde durch Zufall einen neuen Platz zwischen dem Doubs und der Ognon und bin im Jura. Da gehören auch mal Höhenmeter dazu. Die ersten Strecken flößen mir Respekt ein. Früher bin ich Radrennen gefahren – also: 35 km sollten doch zu schaffen sein, oder?
Ich schnaufe, ich kämpfe, mir tut alles weh – aber ich schaffe es. Und danach bin ich furchtbar stolz. Trotz Fibromyalgie, trotz Schmerzen. Ich kann es noch! Und am nächsten Tag geht’s weiter. Immer weiter.
Auch die Schattenseiten gehören dazu
Natürlich gibt es auch Schattenseiten: Der Fibro-Reizdarm nervt, der Schmerz ist mal mehr, mal weniger da. Mein Fibro-Nebel sorgt dafür, dass ich ein paar Fotos löschen musste – falsche Kameraeinstellungen. Aber: Es gibt Schlimmeres. Viel Schlimmeres.
Ingos Fazit
Es gab Gegenwind, Regen, Hitze, Lärm (Oropax helfen!), aber auch Sonnenuntergänge, Bewegung, Stille, Glück. Rad fahren, Fotografieren, Schwimmen. Das geht alles, auch mit Fibro. Jahr für Jahr. Und nächstes Jahr? Dann ist mein 60. Jubiläum… und natürlich: Es geht wieder los!
Noch mehr Eindrücke von Ingos Reisen und seiner Fotografie findest du auf Instagram: @ingovation_foto.
8 Tipps für Urlaub mit Fibromyalgie
1. Planung mit Augenmaß
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Vertraute Orte wählen, die gut erreichbar sind.
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Fahrzeiten in Etappen planen (max. 2 Stunden am Stück).
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Campingplätze oder Ferienwohnungen sind oft flexibler als Hotels.
2. Bewegung in kleinen Dosen
- Spaziergänge im eigenen Tempo sind eine gute Möglichkeit, um im Urlaub mit Fibromyalgie in Bewegung zu bleiben. Schon 10–15 Minuten können hilfreich sein.
- Radfahren auf ebenen Wegen oder Schwimmen im See/Meer sind ebenfalls sanfte Bewegungsformen, die vielen Betroffenen guttun.
- Wichtig ist nicht die Intensität, sondern die Regelmäßigkeit – lieber öfter kurze Einheiten als einmal zu viel.
3. Packliste für den Urlaub mit Fibromyalgie
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Medikamente, Magnesium, Vitamin D und weitere wichtige Nährstoffe wie z. B. Omega-3.
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Omega-3 kann Entzündungsprozesse regulieren und tut gerade bei chronischen Erkrankungen vielen gut.
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Bequeme Kleidung, Wärmflasche oder Heizkissen.
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Massagegerät für unterwegs
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Ich selbst nutze das Gerät von Donnerberg – gerade im Urlaub ein treuer Begleiter, um Verspannungen zu lösen.
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Oropax oder Kopfhörer gegen Lärm.
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Zusätzliche Kissen – viele Betroffene schlafen besser, wenn sie ihr gewohntes Kissen dabeihaben.
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Kamera oder Handy für schöne Erinnerungen.
4. Umgang mit Symptomen unterwegs
- Pausen ernst nehmen und nicht gegen den Körper arbeiten.
- Leichte, verträgliche Mahlzeiten einplanen. Eine angepasste Ernährung kann im Alltag und gerade auf Reisen spürbar entlasten – mehr dazu im Artikel Fibromyalgie Ernährung: Wertvoll für mehr Wohlbefinden.
- Bei Fibro-Nebel: To-Do-Liste schreiben, Kamera-Einstellungen vorab checken ;-).
5. Das Schöne bewusst wahrnehmen
- Neue Eindrücke unterwegs aktiv genießen – nicht nur „nebenbei“.
- Fotografieren oder Tagebuch schreiben kann helfen, positive Momente festzuhalten und später daraus Kraft zu schöpfen.
- Kleine Rituale einbauen: den Sonnenuntergang beobachten, morgens 5 Minuten Naturgeräusche bewusst wahrnehmen.
- Dankbarkeit trainieren: Jeden Tag 1–2 Dinge notieren, die gut getan haben.
6. Klima beachten
Viele Betroffene reagieren empfindlich auf extreme Temperaturen. Ein milderes Klima mit wenig Schwankungen ist oft angenehmer. Sonnenschutz, leichte Kleidung und kleine Kühlhilfen (wie ein feuchtes Tuch oder Ventilator) können bei Hitze helfen.
7. Budgetfreundliche Alternativen
Nicht jeder kann sich weite Reisen leisten. Auch ein Tagesausflug ins Grüne, ein Wochenende in einer Ferienwohnung oder ein Besuch bei Freunden kann ein Stück Urlaubsgefühl bringen. Kleine Auszeiten sind genauso wertvoll.
8. Alleine oder in Begleitung?
Manche fühlen sich sicherer, wenn eine vertraute Person dabei ist, die im Notfall unterstützen kann. Andere genießen es, alleine unterwegs zu sein und das eigene Tempo zu bestimmen. Beides ist möglich – wichtig ist, das zu wählen, was Entlastung bringt.
Fazit: Urlaub mit Fibromyalgie ist möglich – aber nicht für alle gleich
Ein Urlaub mit Fibromyalgie kann eine wertvolle Erfahrung sein – aber er sieht bei jedem Menschen anders aus. Ingos Geschichte zeigt, wie viel möglich sein kann, wenn man frühere Sportlichkeit, Mut und gute Planung kombiniert. Gleichzeitig wissen wir: Viele Betroffene stoßen schon im Alltag an ihre Grenzen, sei es durch Schmerzen, Erschöpfung oder auch durch finanzielle Einschränkungen.
Darum ist es wichtig, realistisch zu bleiben: Ein Urlaub muss nicht immer eine große Reise sein. Auch ein kleiner Ausflug, ein Tag in der Natur oder ein Wochenende in vertrauter Umgebung kann ein Stück Erholung bringen. Entscheidend ist nicht die Distanz, sondern das Gefühl von Abwechslung und Selbstbestimmung.
Häufige Fragen zum Urlaub mit Fibromyalgie
Kann man mit Fibromyalgie campen?
Ja, ein Camping Urlaub mit Fibromyalgie kann sehr angenehm sein – vorausgesetzt, man berücksichtigt die eigenen Grenzen. Campingplätze oder Ferienwohnungen sind oft flexibler als Hotels, weil man sich selbst versorgen kann und Rückzugsmöglichkeiten hat. Wichtig: kurze Fahrzeiten einplanen, bequeme Schlafmöglichkeiten mitnehmen (z. B. eigenes Kissen) und regelmäßige Pausen einlegen.
Ja, ein Camping Urlaub mit Fibromyalgie kann gut funktionieren – wenn du deine Grenzen berücksichtigst. Plane kurze Fahr-Etappen (max. ~2 Stunden), baue Pausen ein und sorge für bequeme Schlafmöglichkeiten (z. B. eigenes Kissen/Topper). Campingplätze oder Ferienwohnungen sind oft flexibler als Hotels, weil du dich selbst versorgen und dich jederzeit zurückziehen kannst. Wichtig: Tagesprogramm klein halten, lieber eine Sache pro Tag vornehmen und offen bleiben, Pläne spontan zu ändern.
Welche Reiseziele sind bei Fibromyalgie geeignet?
Bewährt sind nahe Ziele mit mildem Klima und wenig Temperaturschwankungen. Natur in der Nähe von Seen, Flüssen oder Meer erlaubt leichte Aktivitäten wie Spaziergänge oder Schwimmen. Fernreisen mit langen Flugzeiten sind oft belastend – daher sind nah gelegene Ziele mit dem Auto häufig die bessere Wahl. Vermeide sehr lange Anreisen und extreme Hitze/Kälte. Tipp: Prüfe vorab Rad-/Spazierwege (möglichst eben), Einkaufsmöglichkeiten und ruhige Übernachtungen. Ein Urlaub mit Fibromyalgie muss nicht weit weg sein – auch ein Wochenende in vertrauter Umgebung kann erholsam sein.
Wie lange Autofahren mit Fibromyalgie?
Setz auf Etappen von maximal ca. 2 Stunden und plane danach eine Bewegungs-/Dehnpause ein. Wer zu zweit fährt, kann sich abwechseln. Hilfreich sind ergonomische Sitzhilfen, Trinkpausen und leichte Snacks.
Wenn der Fibro-Nebel auftritt, hilft Anhalten allein oft nicht, da die Konzentrationsstörung bleibt. Deshalb:
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Vorbeugen durch ausreichend Schlaf, regelmäßige Pausen und klare Tagesstruktur.
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Hilfsmittel nutzen: Erinnerungslisten, Navi-Sprachführung, Checklisten für Tank-/Raststopps.
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Bei starker Unsicherheit lieber nicht weiterfahren, sondern Pause bis zur nächsten Möglichkeit oder Fahrerwechsel.
So bleibt der Urlaub mit Fibromyalgie unterwegs sicher und planbar.
Hilft Bewegung im Urlaub wirklich?
Meist ja – sanfte Bewegung wie Spaziergänge, Radfahren auf ebenen Wegen oder Schwimmen kann Kreislauf und Stimmung stabilisieren. Entscheidend ist das Maß: kurz & regelmäßig statt seltener großer Anstrengungen. Wähle Aktivitäten, die gut tun, ohne danach in ein Tief zu fallen. Ein Urlaub mit Fibromyalgie profitiert von Rhythmus: Aktivität → Pause → Aktivität. Bewegung sollte sich gut anfühlen und darf nicht in zusätzlichen Stress ausarten.
Was tun bei Fibromyalgie und Flugreisen?
Ein Urlaub mit Fibromyalgie ist bei Flugreisen oft schwieriger, weil langes Sitzen, Zeitverschiebungen und enge Sitzplätze belasten können. Wer fliegen muss, sollte möglichst Direktflüge wählen, frühzeitig Sitzplätze mit mehr Beinfreiheit reservieren und Kompressionsstrümpfe tragen. Auch ein Nackenkissen, Pausen für Dehnübungen im Gang und viel Flüssigkeit können helfen. Plane vor Ort einen Puffer-Tag ein, um Zeitverschiebung/Anstrengung auszugleichen. Für viele ist es aber entspannter, nahegelegene Reiseziele mit Auto oder Bahn zu wählen.
Welche Hilfsmittel erleichtern den Urlaub mit Fibromyalgie?
Praktische Begleiter können viel ausmachen: ein ergonomisches Nackenkissen, eine Wärmflasche oder ein Massagegerät für Verspannungen. Bewährt sind auch Zusatzkissen/Topper, Ohrstöpsel gegen Lärm, eine Schlafmaske oder bequeme Schuhe für kurze Spaziergänge. Manche packen sogar kleine Hilfsmittel wie ein Tens-Gerät oder kühlende Gelpacks ein. Wichtig ist, das mitzunehmen, was individuell spürbar entlastet.
Eine Checkliste kann gegen den Fibro-Nebel helfen und natürlich darf die Medikamenten-/Nährstofftasche (z. B. Magnesium, Vitamin D, ggf. Omega-3, Zink, Vitamin C) nicht fehlen.
Wie kann man mit Schmerzen im Urlaub flexibel bleiben?
Gerade unterwegs ist es wichtig, Pläne flexibel zu halten. Wer Fibromyalgie hat, sollte keine vollen Tagesprogramme einplanen. Stattdessen lieber kurze Ausflüge, bei denen jederzeit abgebrochen werden kann. Auch kleine Ruheoasen im Reisealltag – ein Mittagsschlaf im Camper, ein stiller Moment am Wasser – helfen, nicht über die Grenzen zu gehen. Flexibilität bedeutet nicht, auf alles zu verzichten, sondern Wege zu finden, trotzdem schöne Momente zu erleben.
Und jetzt bist du dran
Konntest du dieses Jahr in Urlaub fahren? Welche Erfahrungen hast du im Urlaub mit Fibromyalgie gemacht? Oder hast du Tipps, was einen Urlaub mit Fibromyalgie leichter macht? Teile deine Gedanken gern in den Kommentaren – so profitieren wir alle voneinander.
