Fibromyalgie und Partnerschaft

Fibromyalgie und Partnerschaft ist immer wieder ein großes Thema im Austausch mit anderen Betroffenen. In diesem Beitrag erfährst Du, welche Erfahrungen andere Betroffene machen bzw. gemacht haben und welche Auswirkungen die Fibromyalgie auf die Partnerschaft hat. Außerdem habe ich Ratschläge und Tipps von anderen Betroffenen für Dich, wie Du mit der Erkrankung in einer Partnerschaft umgehen kannst.

 

Fibromyalgie und der Partner – Erfahrungen von Betroffenen

Zu diesem Thema habe ich mal in unserer Facebookgruppe nachgefragt. Es hat sich herausgestellt, dass das fehlende Verständnis für die Erkrankung das größte Problem in einer Partnerschaft ist. Für den Partner ist es oft unvorstellbar, dass man so schwer krank sein kann, obwohl die Werte beim Arzt in Ordnung sind und dieser keine Ursache findet. Es wird häufig vom Partner auch nicht akzeptiert, dass man nichts gegen die Krankheit unternehmen kann. Die Partner denken, wenn ein Arzt nichts findet, dann könne es entweder alles nur Einbildung sein oder es sei psychisch bedingt. Mangelndes Verständnis hat bei einigen Betroffenen auch schon zur Trennung geführt. Manche Partner hadern mit der Situation. Sie geben sich Mühe die Krankheit zu verstehen aber man merkt, dass sie einen nicht verstehen können und einem häufig auch nicht glauben.

Neben dem fehlenden Verständnis fehlt einigen auch die Unterstützung des Partners. Sei es durch Zuwendung, Aufmerksamkeit oder auch in materieller Form. Eine Betroffene hat mir per Mail geschrieben, dass ihr Mann an ihrer Seite steht und auch gut informiert ist. Er setzt sich gut mit der Erkrankung auseinander. Aber während sie inzwischen ihre Situation akzeptiert und sich damit arrangiert hat, versucht ihr Mann immer noch neue Wege zu finden, um die Situation zu verbessern. Dazu sucht er immer wieder aufs Neue Kliniken und Ärzte, damit man doch noch etwas unternimmt. Er hat noch nicht verstanden, dass das alte Leben nicht wieder zurückkehrt. Es fällt ihm schwer, das Leben so zu akzeptieren, wie es ist.

Facebook-Gruppe Partner

Persönliche Beispiele mit meinem Partner

Ich denke, dass sich für beide Seiten durch diese Situation Frust entwickelt. Das hat nicht nur Folgen für den/die Betroffene(n), sondern auch für den Partner. Dieser muss oft seine Wünsche zurückstellen. Mein Mann zum Beispiel muss sich wegen meiner Geräuschempfindlichkeit zurücknehmen. Wenn er etwas Interessantes im Radio hört und ich es an manchen Tagen einfach nicht ertragen kann bitte ich ihn, das Radio auszuschalten. Ich als Betroffene erwarte dann also, dass mein Leid höher bewertet wird als der Wunsch meines Partners. Ich denke, wenn ich der Gesunde wäre, dann würde es mich auf Dauer stören. Wenn man immer Rücksicht nehmen und auf Dinge verzichten muss, dann hätte ich damit ein Problem. Ich glaube, dass wir unseren Partnern viel mehr abverlangen, als wir selbst sehen. Und dass wir uns aufgrund der Erkrankung gar nicht bewusst sind, was unsere Partner leisten. Vielleicht sind wir aufgrund unserer Leidenssituation auch nicht in der Lage, es zu sehen.

Ein weiteres Beispiel aus meinem Leben ist die Sache mit den Urlauben. Wenn wir alle 2 oder 3 Jahre Urlaub machen, können wir nicht in ein Hotel gehen. Eine Woche Hotel mit normalem Essen wäre für mich gar nicht möglich. Dann wäre ich die ganze Zeit vom Essen krank, aufgrund meiner Kohlenhydratunverträglichkeit. Und so müssen wir immer ein Ferienhaus oder eine Ferienwohnung mieten und uns selbst versorgen. Für meinen Mann ist das in Ordnung. Aber er hätte sicherlich kein Problem damit, ins Hotel zu gehen und sich an einen gedeckten Tisch zu setzen, ohne vorher das wir vorher kochen müssen. Irgendwann hat er akzeptiert, dass die Veränderung dauerhaft bleibt. Und er hat es für sich geklärt, ob er das möchte oder nicht. Ich habe mir mein Leben zwar auch anders vorgestellt, aber er hat die Wahl sich für oder gegen ein Leben mit einer chronisch kranken Frau und den Einschränkungen zu entscheiden.

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Auswirkungen für die Betroffenen

Einige haben mir auch mitgeteilt welche Folgen die Verständnislosigkeit der Partner haben kann, wenn man nicht ernst genommen und nicht unterstützt wird. Manche haben Schuldgefühle, weil sie nicht so funktionieren, wie sie funktionieren müssten und den ganzen Anforderungen nicht gerecht werden können. Die Partner müssen Dinge übernehmen, die die Betroffenen früher selbst erledigt haben. Manche fühlen sich wertlos und völlig überfordert, weil immer versucht wird, das normale Leben aufrecht zu erhalten. Einige sprechen auch von seelischen Schmerzen und gesundheitlichen Folgen wie zum Beispiel Erschöpfung und Depressionen durch diese partnerschaftliche Situation. Das macht einen weiter krank. Auch ein geringes Selbstwertgefühl ist für Betroffene nicht selten. Sowohl während der Partnerschaft als auch nach einer Trennung. Viele fragen sich dann: Wer nimmt mich denn überhaupt noch mit so einer Krankheit?

 

Einen neuen Partner kennenlernen?

Eine Betroffene fragte, wie es mit neuen Bekanntschaften ist und wie man damit umgeht. Spielt man gleich mit offenen Karten oder hält man sich erst bedeckt und wartet ab? Wenn man mit offenen Karten spielt ist vielleicht gleich von Anfang die Chance auf eine Partnerschaft dahin. Wenn man es nicht sagt und der andere erlebt einen im Alltag, dann wird man vielleicht als faul oder wehleidig abgestempelt. Denn das Wissen darüber, dass die Verhaltensweisen in Zusammenhang mit einer Krankheit stehen, fehlt. Ich bin nicht auf Partnersuche, aber wenn ich es wäre, würde ich eher mit offenen Karten spielen. Denn die Erkrankung gehört zum Gesamtbild dazu und es ist eine bedeutende Sache. Und wenn es dann der Richtige ist, dann punktet man mit seinem Charakter oder mit seinem Charme, der positiven Art oder sonst was und nicht mit dem Gesundheitszustand.

 

Tipps und Ratschläge von Betroffenen für Betroffene

Zum Abschluss möchte ich noch ein paar Ratschläge und Tipps geben, die mir von anderen Betroffenen zur Verfügung gestellt wurden. Man kann versuchen, mit dem Partner anders zu kommunizieren und ausführlicher die eigene Situation mitzuteilen. Der andere weiß nicht, wie es einem geht und wie man sich fühlt. Man sieht einem das ja in den meisten Fällen nicht an. Zum Beispiel konkret äußern, dass heute ein schlechter Tag ist oder dass man bestimmte Dinge nicht machen kann. Es kann helfen sich einfach mehr mitzuteilen, damit der andere die Möglichkeit hat, dies zu registrieren und sich darauf einzustellen. Vielleicht zeigt der Partner dann auch mehr Verständnis.

Ein weiterer Rat ist Achtsamkeit. Achte auf Dich selbst und darauf, dass es Dir gut geht und Du Dich mental stärkst. Manche stärken sich mental durch den Glauben, andere durch Musik mit entsprechenden Texten. Für andere ist es die Natur oder Haustiere. Manche holen sich auch Kraft aus der Familie oder einer engen Freundschaft.

Ich denke aber auch, dass man versuchen sollte, die Situation des Partners zu sehen, der oft verzichten muss. Ich für mich jedenfalls würde sagen, dass ich oft gar nicht wahrnehme, wie oft mein Mann sich auf mich einstellt und Rücksicht nimmt. Zum Beispiel wenn wir irgendwas wie selbstverständlich so machen, wie ich es möchte, damit es für mich funktioniert. Solche Situationen haben wir jeden Tag. Man sollte auch Kleinigkeiten wahrnehmen und sich auf die guten Dinge konzentrieren. Nicht nur auf die Dinge, die schlecht laufen.

Wie ist die Situation bei Dir? Denkst Du Dein Partner ist verständnisvoll oder ist es gerade ganz schlimm? Möchtest Du mir etwas dazu mitteilen? Schreib es mir in die Kommentare.

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