Fibromyalgie Rente

Eine Fibromyalgie Rente zu bekommen, ist nicht leicht. Das musste auch Petra erfahren. In einem Interview berichtete sie mir von ihren Erfahrungen mit dem Rentenantrag bei Fibromyalgie.

Hallo Petra, stell dich doch bitte einmal vor.

Mein Name ist Petra, ich komme aus Potsdam, bin 59 Jahre alt und habe Fibromyalgie. Ich habe die Diagnose im Jahre 2017 bekommen und bin kurz danach deiner Selbsthilfegruppe „Fibromyalgie – KämpferInnen“ auf Facebook beigetreten.

Seit wann hast du Beschwerden? Wie war dein Weg?

Wie die meisten Betroffenen von uns wissen ist das eine lange Odyssee. Mir ging es auch nicht anders als den anderen Betroffenen. Ich bin von einem Arzt zum anderen und wie immer waren alle Untersuchungsergebnisse in Ordnung. Keiner wusste woran es liegen kann und es wurde immer auf Stress geschoben, oder einem grippalen Infekt.

Hast du denn die Beschwerden erst spät bekommen oder hattest du sie schon seit deiner Kindheit?

Ich habe mich belesen und habe dann eigentlich auch aufgrund der Symptome herausgefunden, die mich schon mein Leben lang begleitet haben, dass es schon in der Kindheit angefangen hat.

Was hattest du für Beschwerden als Kind?

Als Kind hatte ich, wenn ich Kleidung angezogen habe (zum Beispiel Wintersachen), immer dieses schwere Gefühl. Dadurch hatte ich auch schon leichte Ganzkörperschmerzen, so dass mir alles viel zu schwer war. Wenn ich mich gestoßen habe, bekam ich ganz schnell blaue Flecken. Es dauerte sehr lange, bis die wieder zurückgegangen sind. Es war auch manchmal so, wenn ich mich gestoßen habe, dass keine blauen Flecke entstanden sind, aber der Schmerz an dieser Stelle hielt ganz lange an. Das waren die ersten Anzeichen.

Dann entwickelte sich das weiter in meiner Jugend, da bekam ich dann immer mehr Migräneanfälle und die waren dann auch von den Schmerzen her immer extremer. Während der Migräne kam Übelkeit und Erbrechen dazu mit Sehstörung. Die Schmerzen strahlten speziell auf die rechte Seite der Körperhälfte aus und so entwickelte sich das immer weiter. Auf einmal war es dann der gesamte Körper, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen. Wie bei einer Grippe fühlte ich mich immer ständig. Als ob ich Grippe im Dauerzustand hätte.

Unser Thema heute ist ja die Fibromyalgie Rente. Wie sieht’s da bei dir aus? Du bist 59 Jahre alt. Erzähl doch mal.

Das war ein langer Weg. Er war nicht einfach, man muss sich da durchkämpfen.

Ich habe es jetzt geschafft und bin seit diesem Jahr in Erwerbsminderungsrente. Zwar habe ich die volle Fibromyalgie Rente bekommen, aber befristet erst mal für vier Jahre. Ich habe mich gefreut, dass ich es geschafft habe, weil ich nicht mehr konnte.

Befristete Fibromyalgie Rente

Jetzt habe ich immer diese Gedanken im Kopf, dass es nur befristet ist. Wenn die 4 Jahre abgelaufen sind, muss ich wieder einen neuen Antrag stellen, damit die Erwerbsminderung verlängert wird. Wenn das nicht funktioniert, dann bin ich zu diesem Zeitpunkt 63 und ich werde dann den Antrag auf normale Altersrente stellen. Ich müsste dann früher in Fibromyalgie Rente gehen und habe dadurch Abschläge.

Das ist das, was mir noch so durch den Kopf geht, was mich beschäftigt. Für mich steht fest: arbeiten kann ich nicht mehr. Das schaffe ich nicht mehr und es ist ja auch eigentlich klar, mit 63 findest du keinen Arbeitsplatz mehr. Man ist überhaupt nicht mehr vermittelbar. Es wäre auch noch eine Möglichkeit, sich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stellen mit 63 und chronischen Leiden. Dann würde ich die Zeit bis zur Fibromyalgie Rente als Arbeitssuchende überbrücken und die Zeit verstreichen lassen, ohne Abschläge hinnehmen zu müssen.

Ich muss jetzt einen Weg finden, dass ich nicht so große finanzielle Einbußen habe und ich denke auch, ich habe jetzt 40 Jahre gearbeitet, war auch immer rentenversichert und das ist meine Hoffnung, dass alles noch gut enden wird. Ich muss weiter kämpfen, den richtigen Weg weitergehen oder finden.

Hier kannst du dir das ganze Interview im Video anschauen und Petra genauer kennenlernen:

Es ist scheinbar sehr schwierig, die Fibromyalgie Rente durchzubekommen. Die Leute reden auch von Erniedrigungen, am Ende kriegen sie es dann nicht bewilligt. Dann müssen sie Widerspruch einlegen. Das ist auch so schwierig, weil man die Kraft gar nicht hat, weil es so viel Energie kostet. An dich die Frage: Wie war das bei dir? Hast du das auch so erlebt? Erzähl mal.

Ja sicher. Ich habe es auch so erlebt. Es war nicht einfach, sehr anstrengend und es war auch ein langer Weg, bis ich mich letztendlich da hingearbeitet habe. Angefangen habe ich vor sieben Jahren ungefähr, da war ich noch bei meiner Hausärztin und wusste noch nicht, dass ich Fibromyalgie habe. Ich hatte eine Kur beantragt mit ihr gemeinsam, aber sie konnte mir da nicht groß helfen, also wurde die Kur nicht bewilligt.

Hat das was mit der Fibromyalgie Rente zu tun? Gibt’s da einen Zusammenhang?

Das sind immer so Voraussetzungen, die man eben auch erfüllen muss. Man muss so Reha-Maßnahmen in Anspruch genommen haben, um die Rente bewilligt zu bekommen. Man muss schon bestimmte Schritte einhalten, einen bestimmten Weg gehen, wenn man das nicht macht, hat man eigentlich verloren kann man sagen, oder eben sehr viele Nachteile. Dann habe ich das gemacht, aber durch die Hausärztin. Sie hatte keine Ahnung. Sie sagte immer es sei Stress. Wir können es mit einer Kur probieren, haben wir gemacht, wurde abgelegt. Dann hat mich der Mut verlassen und dann kamen Phasen, wo es mir dann besser ging, dann denkt man immer: ach das geht ja wieder.

Als das nicht funktioniert hat, wie alt warst du denn da?

Anfang 50 vielleicht.

Ist das auch noch ein Unterschied, ob man 50 oder 59 ist?

Wahrscheinlich. Ich denke auch, dass das Alter eine große Rolle spielt. Die Ärztin konnte mich auch nicht unterstützen. Sie wusste nicht was ich habe. Sie wusste auch gar nicht, was sie jetzt konkret in diesen Bericht rein schreiben sollte für die Klinik. Da ging es schon los. Das ist das Problem. Dann habe ich gemerkt, dass sie mir nicht weiterhelfen kann.

Für die Fibromyalgie Rente ist Eigeninitiative gefragt

Ich habe dann angefangen, selbst viel zu lesen. Bin ins Internet gegangen, habe die Symptome eingegeben und bin auf Fibromyalgie gestoßen. Dann dachte ich, das könnte es sein. Ich habe mit jemandem aus der Familie gesprochen, habe mich anvertraut. Sie arbeitet auch im Gesundheitswesen und kennt sich da aus und hat gesagt, das ist Fibromyalgie. Diese Person hat dann auch gleich mit mir weiter gemacht, sie hat gesagt wir suchen dir jetzt einen Arzt, nachdem ich gesagt habe, dass ich in Potsdam nicht weiterkomme.

Wir haben eine Ärztin in Berlin gefunden, die auch direkt Fibromyalgie behandelt. Sofort einen Termin gemacht, bin hin und dann haben die mich untersucht und die sagte: Eine gute Nachricht, eine schlechte. Sie haben Fibromyalgie, das ist nicht heilbar, es ist chronisch. Die gute Nachricht: Man stirbt daran nicht. So hat sie mir das gesagt.

Sie behandelt es zwar, aber ich habe gemerkt, dass es so auch nicht hilft. Aber sie unterstützt einen und hat dann gefragt, was ich möchte. Dann hat sie mir Vorschläge gemacht, in die Schmerzklinik zu gehen, auf Medikamente einzustellen. Ich habe gesagt, das kommt für mich nicht in Frage. Ich nehme auch keine Medikamente, keine Antidepressiva, weil mir das nicht hilft und ich möchte nicht alles in mich rein schlucken und meinen Körper noch zusätzlich belasten und kaputt machen. Da hatte sie erst ein Problem mit, aber dann war der nächste Vorschlag zur Kur zu fahren. Sie schlug dann gleich diese psychosomatische Klinik vor. Da konnte ich mich auch nicht mit anfreunden und habe das hinausgeschoben.

Beim nächsten Mal habe ich gesagt: okay, ich bin jetzt bereit, ich würde noch mal mit so einer normalen orthopädischen Kur anfangen. Das war 2018. Sie hat mich unterstützt, ist mir auch sofort bewilligt worden und es waren drei Wochen. Ich habe dann auch Bescheid gekriegt, als die Kur zu Ende war, dass mir aufgrund der chronischen Krankheiten alle zwei Jahre eine Kur zusteht.

Nach zwei Jahren war ich so weit und habe dann mit meiner Ärztin die psychosomatische Kur beantragt. Das war letztes Jahr. Ich war zur Kur im Herbst, fünf Wochen waren gleich vorgegeben und ich hätte noch eine Woche verlängert gekriegt. Man hätte auch bis acht Wochen machen können, aber das war mir dann echt zu lang.

Für die Fibromyalgie Rente ist der/die richtige Arzt/Ärztin entscheidend

Bei dieser Ärztin habe ich den Vorteil, dass sie Berichte schreibt, die Hand und Fuß haben. Das ist mein Glück. Es kommt auch darauf an, wie die Ärzte Berichte schreiben, das ist das A und O. Da sie meine hauptbehandelnde Ärztin ist, ist es sehr wichtig, wie ihr Gutachten ausfällt. Natürlich muss man auch die anderen Ärzte angeben, bei denen man in Behandlung ist. Jeder Arzt muss ein Bericht schreiben über die Beschwerden des Patienten und was sie empfehlen, aber ihr Bericht war der Ausschlaggebende. Das ging alles schnell und die Kur ist wichtig zu machen, weil die Rentenversicherung sagt: Reha vor Rente. Man muss so eine Rehabilitationskur machen, das ist die Voraussetzung.

Muss das denn eine psychosomatische sein oder würde auch diese orthopädische reichen?

Es muss eine psychosomatische Reha sein. Mit der orthopädischen bin ich nicht weitergekommen. Ich wollte es eigentlich nicht psychosomatisch und habe dann auch zwei psychologische Therapien gemacht, Einzeltherapie. Es sind so viele Sachen, die man auch machen muss, dass man es auch durchbekommt mit dem Antrag.

Wie hat dein Umfeld reagiert darauf, dass du nun berentet bist?

Ich erinnerte mich dann gleich an diese Kommentare, die wir Menschen mit Fibromyalgie auch immer erhalten und genau so kamen auch die Kommentare als ich gesagt habe: ich bin arbeitsunfähig entlassen und ich habe einen Rentenantrag gestellt. Die erste Reaktion war von jemandem: Was? Das kannst du doch nicht machen! Ich sagte: warum nicht? Ich habe es gemacht und die Ärzte hätten es nicht bewilligt, wenn es nicht der Fall gewesen wäre. Andere reagierten dann wieder so: Oh dann hast du ja Zeit. Dann kannst du bei mir putzen kommen. Ich habe auch noch so viele andere Sachen, wo du helfen kannst. Der nächste Kommentar war dann: Was machst du eigentlich den ganzen Tag?

Ich sitze nicht den ganzen Tag auf dem Sofa und döse vor mich hin. Mein Tag ist strukturiert, das war schon immer so. Ich bin auch bestrebt das weiterzumachen. Wer diese Krankheit nicht hat, kann auch nicht nachvollziehen wie wir uns fühlen. Jeder weiß von uns, dass wir schlechte Tage haben, sehr schlechte Tage und dann auch wieder bessere Zeiten kommen. Dass es immer schwankt und mal wechselt und dass das für mich jetzt auch sehr gut ist, dass ich zu Hause bin. Ich kann mir den Tag selber einteilen.

Ich kann mir vorstellen, dass dich diese Reaktionen ganz schön getroffen haben. Wie gehst du damit um?

Jetzt ist es im Moment so, wenn ich Leute treffe, die ich lange nicht gesehen habe, erwähne ich gar nicht, dass ich berentet bin, auch weil ich einfach leid bin, meine Geschichte zu erzählen. Ich war schon betroffen, als die Kommentare kamen. Es war wie so ein Schock für mich. Ich bin dann auch immer sehr sensibel, dünnhäutig, muss immer kämpfen, dass mir nicht die Tränen kommen. Das ist für mich sehr erschreckend gewesen und das ist immer noch so, wenn jemand so einen Kommentar abgibt. Das ist für mich nicht einfach, aber ich denke, ich muss daran arbeiten, dass ich da drüber stehe. Und dass ich mir das nicht so zu Herzen nehme.

Es ist eigentlich egal was die von mir denken. Ich bin ich. Das ist halt wieder das Problem, dass unsere Krankheit von außen nicht sichtbar ist. Es gibt sicherlich auch noch andere Krankheiten, bei denen das auch so ist. Wir sehen ja fit aus, wir sehen gesund aus und dann haben wir also praktisch in den Augen der anderen gar keinen Anspruch darauf. Es gibt Leute die versuchen sich da hineinzuversetzen und fragen auch mal nach, aber das sind eher sehr wenige.

Hast du einen Tipp für andere Betroffene, die sich auch auf diesen Weg machen möchten? Die merken, dass sie die Arbeit nicht mehr schaffen?

Auf jeden Fall den Weg gehen, wenn sie aus dem Arbeitsleben austreten möchten. Es ist ein langer Weg, aber es lohnt sich zu kämpfen. Ganz wichtig: Reha vor Rente. Ich habe es auch geschafft. Das war ein langer Weg, es war auch zu Corona Zeiten bei mir. Der gesamte Zeitaufwand hat mich sieben Monate gekostet, bis ich den endgültigen Bescheid hatte. Was vielleicht zu erwähnen und wichtig ist: mein Arbeitsverhältnis ist nicht gekündigt worden. Ich selbst habe auch nicht gekündigt. Mein Arbeitsverhältnis ruht, weil die Rente befristet ist. Ich bin immer noch Betriebsangehörige.

Du stärkst die Leute und sagst: gib nicht auf, zieh das durch, mach weiter, lass dich nicht klein machen und lass dich nicht unterkriegen. Ein schönes Schlusswort. Petra, vielen Dank an dich.

Ich danke auch.


Spielst du auch mit dem Gedanken, Fibromyalgie Rente zu beantragen oder bist du diesen Weg schon durchlaufen? Berichte uns doch davon in den Kommentaren 🙂

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